leichter sein, nicht so viele Gedanken haben… ja, weniger fühlen… leichter leben. Manchmal möchte ich mehr an mich denken, statt an andere, mir nicht alles annehmen und viel öfter sagen… „Was geht es mich an…?“ Ziemlich blöd, wenn man das nicht kann. Ich sollte das Licht und die Liebe feiern in dieser besinnlichen Zeit… den Frieden, die Wärme und Geborgenheit… mich an reich gedeckten Tischen laben… „Was interessiert mich das Leid?!“

Weihnachten… die Zeit des Mitgefühls, „Zeit, die Türen und die Herzen zu öffnen für all jene in Not…“ Ich glaube, da werden die, denen es am Schlechtesten geht, einfach vergessen. Wo ist das Licht für Sie? Das Licht, das sie niemals sehen. Das Elend… hinter dicken Mauern verborgen, an denen ihre Bitte um Gnade einfach abprallt. Ihrer Würde, ihres Lebens beraubt… ohne die Chance, zu entkommen. Und wenn doch mal einer vor dem Schlachter entwischt, in panischer Todesangst flieht… wird er brutal gejagt und abgeknallt. Eine Zeitungsmeldung, mehr nicht. Doch ich sehe sein Gesicht… sehe in seinen Augen die Tränen der Tiere, die so viel erzählen… die mir den Schlaf rauben, die uns fragen… „Warum?“ Abermillionen Tiere! Ich kann sie nicht ausblenden… kann nicht an Hoffnung glauben, weil so Viele sie vergessen. Ihre Qual… die wir mit essen.

Da bekommt der Begriff „Menschlichkeit“, mit dem wir uns… und zur Weihnachtszeit unsere Häuser schmücken… einen blutigen Geschmack… weil er die Tiere anscheinend nicht mit einbezieht. Oh, nein, es ist nicht „nur ein Tier…“ Diese wundervollen Seelen… Sie sind, wie wir! Sie fühlen, sie trauern, sie lieben… sie leiden. Was tun wir ihnen an? Sie sind unsere Brüder und Schwestern! Gleich an Wert! Und vielleicht noch viel mehr… Wir haben uns über sie gestellt. Wo ist das Licht, wo ist die Liebe… in dieser „scheinheiligen“ Welt? Ja, ich bin traurig in diesem Moment… und ganz oft so gar nicht unbeschwert. Weil ich zu viel denke, zu viel fühle, habe keine Antwort auf all das… die ich ihnen geben kann. Vielleicht wachen die Menschen auf… irgendwann?

Irgendwo ist ein Pottwal gestrandet, 30 kg! Plastikmüll im Bauch… Die Bienen sterben… Wir sollten all das verhindern! (Was verdammt… erzählt ihr den Kindern?) Ein Tiertransport, umgekippt, “verunfallt”… Wieder eine Meldung „bloß“. Hunderte Ferkel „verendet“… Ich höre ihre Schreie… fühle ihren Schmerz… So viel unsagbares Leid. Ja, vielleicht hatten sie sogar „Glück“… Und wieder ein „Lebensmittel“skandal… Es kommt alles auf uns zurück. Ja, manchmal bin ich einfach traurig und leer. Ich kann nicht verstehen, warum die Menschen nicht sehen… Und manchmal ist es kaum auszuhalten. Dabei sollten wir doch Party feiern und tanzen… Viel öfter lachen! Uns nicht so viele Gedanken machen… über all das, was passiert in dieser Welt… das Leben einfach leben! „Hey, du kannst die Welt nicht retten…!“ „Einfach alles egal…“ Das wärs! Nicht hinschauen! Wär leichter… viel leichter dann!

Doch irgendwo sind sie immer, diese Augen… die schockierenden Bilder, das Wissen… dieses schale Gefühl… das ich nicht ausblenden kann. Zu viel Leid… Zu viel Ignoranz und Ungerechtigkeit! Ja, es geht uns alle an. „Man hat nicht ein Herz für Menschen… und eins für Tiere. Entweder man hat ein Herz… oder man hat keines.“ Das kann man nicht einfach “abschalten”…

(Sylvia Raßloff)