Schlagwortarchiv für: Tiere-verstehen.com Texte Sylvia Raßloff

Und wenn der Abschied kommt, irgendwann… hört die Welt auf, sich zu drehen. So lang schon geistert die Angst vor diesem Tag in meinem Kopf… „Ich hoffe so sehr, ich bin vorbereitet…“, loslassen zu können… das Unausweichliche zu begreifen. Nein, das werden wir nie. Es trifft uns im tiefsten Herzen… und tut körperlich weh.

Doch die Welt wird sich weiter drehen… auch wenn wir anfangs durch Tränen nicht sehen. Auch wenn nichts mehr sein wird, wie es war… So ist das Leben… ein ständiger Abschied! … Und mit jedem Abschied beginnt Neues. Mit jedem neuen Tag… Ein neues Leben… neue Liebe… neue Augenblicke, die wieder zu Erinnerungen werden.

„Weine nicht! Hab keine Angst! Ich bin hier. Du kannst mich hören, fühlen, sehen. Es ist nur der Körper, der geht… Nur eine leere Hülle… die ausgedient hat… nicht mehr funktioniert. Wir haben ihn nur geliehen… für eine gewisse Zeit, für dieses Leben. Doch wir müssen gehen, wenn die Zeit gekommen ist… wenn wir gerufen werden. Der Kreislauf… von Leben und Sterben. Die Zeit ist vorherbestimmt… im Buch der Seele geschrieben. Doch ich werde dich für immer lieben!“

Nein, sie sind nicht weg. Sie wandern nicht mehr in ihren irdischen Körpern – aber sie sind immer unter uns. Sie sind bei dir, jetzt… und sie werden immer da sein. Und manchmal kommen sie zurück…

… oder schicken eine neue Fellnase zu dir, weil sie fühlen, das du nicht loslassen kannst. Eine neue Aufgabe, zum lernen, zum Erinnern… und um Liebe zu geben und zu empfangen.

© Sylvia Raßloff

Eines Tages halten wir alle das Ticket zum Land hinter der Regebogenbrücke in der Hand… Und plötzlich wird uns klar, wieviel Zeit wir „verschwendet“ haben… wie oft wir keine Zeit hatten… wie oft wir achtlos vorbeigegangen sind… wie oft wir „Später“… „Nicht jetzt“ gesagt haben… Wie oft wir so Vieles als selbstverständlich angesehen haben.

„Einmal noch…“ würden wir uns jetzt wünschen… all das nachzuholen… die Zeit zurückzudrehen… um uns Zeit zu nehmen… gemeinsam über Wiesen zu laufen und alles anders zu sehen… den Augenblick zu genießen und die Nase zu vergraben… in dein weiches Gesicht… „Einmal noch…“ … wünschen wir uns… öfters gesagt zu haben „Ich liebe Dich!“…

So oft wir es vergaßen… wird uns plötzlich klar… wie kostbar jedes Wort… jeder kleine Augenblick… war. Egal, ob es unsere Tiere sind, unsere Eltern… die, die wir lieben… und auch wir selbst… Die Jahre sind so schnell vorbei… Zu schnell vorbei… zu leben… all das zu genießen… „Einmal noch…“ beginnt JETZT, heute, in diesem Moment… bevor es zu spät ist.

© Sylvia Raßloff

Der Hundetraum… (und Traum aller Tiere, die irgendwo auf ein Zuhause warten…)

Es gibt einen besonderen Traum, den alle Tierheim-Hunde träumen… Auf Betonböden, in Hütten, in dunklen Verschlägen, eingepfercht in Gitterboxen… träumen sie Nacht für Nacht den gleichen Traum…

Egal, in welcher Sprache und wo auf dieser Welt… Es ist der schönste Traum, den diese Hunde haben… der Traum von einem Zuhause. Der Traum von einer Familie. Dieser Traum verbreitet sich seit Hundegedenken von Heim zu Heim, von Hund zu Hund, sogar draußen auf der Straße wird er weitergegeben…

Er wird den Neuankömmlingen erzählt, die in der Nacht noch weinen. Und mit jedem Hund, der ihn weitererzählt wird er schöner und bunter. Jeder träumt noch etwas hinzu. Alles ist warm und weich in diesem Traum. Und es gibt immer genug zu essen. Und die Menschen haben Hände – so zart…

„So etwas gibt es doch nicht!?“, sagen die, die noch nie ein Zuhause hatten… „Doch!“ sagen alle einstimmig und etwas zu laut… Die, die schon Schlimmes erlebt haben, schweigen. Sie wollen diesen Traum nicht zerstören…

Besonders für die Kleinsten, die mit großen Augen zuhören und die ihn wieder und wieder hören wollen, bevor sie einschlafen. Und für die, denen der Tod bevorsteht und für die anderen, die schon so viele Jahre warten und deren Augen müde geworden sind…

Gerade für sie ist es so wichtig, aber auch für alle anderen, dass dieser herrliche Traum niemals ausgeträumt ist, dass dieser kleine Hoffnungsschimmer für immer bleibt und jede Nacht wieder in ihren Herzen glimmt …

dass es irgendwo auf der Welt genau den Menschen gibt, der auf jeden von ihnen wartet.

© Sylvia Raßloff