Ja, wir sterben… jeden Tag, mit jedem Augenblick… ein kleines Stück. Doch die meisten leben so, als hätten sie noch einen Gutschein bereit… für einen „Nachschlag“… an Zeit. Nein, es geht nicht um Falten und Bindegewebe… Um den Blick in den Spiegel, vielleicht. Brauchen wir denn wirklich einen Weckruf, eine Diagnose… den Tod von jemandem, den wir lieben, um aufzuwachen und uns zu fragen… Wo ist die Zeit geblieben? Die Hand, die Pfote, die wir halten… den letzten Blick beim Abschied, der uns sagt: LEBE…! Die Diagnose steht, die haben wir bereits… das Leben IST tödlich, es gibt kein irgendwann… kein Aufschieben – kein bald oder vielleicht – weil es eben genau dann, wenn es uns dann passt, auch schon wieder vorbei sein kann.

Wenn uns bewusst wird, wieviel Zeit wir verschwendet haben… vergeudet, einfach „abgelebt“… großzügig verteilt, an Dinge, an Menschen, an Situationen, die wir eigentlich so gar nicht wollten. Wievieles von dem, was wir eigentlich „hätten – tun – sollten“… auf „später“ verschoben. Wie oft uns verleugnet, uns selbst oder anderen zuliebe verbogen. Wie oft JA gesagt, ohne es wahrhaft zu meinen… Wie oft Träume, Gefühle und Wünsche verdrängt, wie oft die Liste mit dem „Das machen wir dann mal…“ wieder nach hinten gehängt. Wie oft vergessen, uns selbst zu lieben… das Glück der anderen vor das eigene gestellt. Ist es nicht Zeit? Die Diagnose steht! Jetzt und so lange es noch geht… dieses Leben zu leben!

„Lebe!“ klingt es in mir nach… Dieses „Lebe!“ all derer, die keine Zeit mehr hatten… und der Moment, als mein Herz brach. Ja, unsere Tiere sind es, die uns das zeigen… jeden Tag. Viel zu lieben, schnell zu verzeihen, sich nicht zu verleugnen, nie zu lügen, immer und jetzt… Alles zu wollen, das Leben, das Lachen… und nichts auf SPÄTER zu verschieben! Ist es nicht Zeit, es ihnen nachzumachen? Ich weiß, dass sie sich das wünschen, wenn sie gehen… uns glücklich zu sehen! Dass wir all das leben, als wären sie noch da – all das, was wir von ihnen gelernt haben – bis wir uns wiedersehen. Dass sie dann stolz auf uns schauen – von irgendwo – und sagen „YES, endlich!“ mit einem Augenzwinkern, einem Lächeln… „Ja, genau so!“

Ist es nicht Zeit… wenn nicht jetzt, wann dann? Was ZU LEBEN betrifft, keine Kompromisse mehr einzugehen… und kein BlaBla. Ist es nicht Zeit, aufzustehen… Deine Musik aufzudrehen, dich zu zeigen… aus dem Karussell auszusteigen, solange man noch kann… endlich LOSZUGEHEN? „Sterben üben“… indem man LEBT… damit wir nicht irgendwann “plötzlich” erkennen… es ist zu spät.

(Sylvia Raßloff)

5 Kommentare
  1. Angela Molinari sagte:

    Liebe Sylvia – ich bin am Sonntag Abend in Andalusien angekommen und habe angefangen zu leben. Ich und meine beiden Hunde geniessen jeden Moment hier und es ist wunderschön. Endlich leben und nicht nur arbeiten und Stress haben. Ich hoffe sehr, dass Ihr uns mal besuchen kommt. Ich umarme Dich. Liebe Grüsse Angela

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    • Sylvia sagte:

      Meine liebe Angela, ich freu mich sooo sehr für dich/euch! Hab so oft an Dich gedacht! Wie schön, dass Du nun angekommen bist!!! Und ja, wir werden dich besuchen kommen, das ist ausgemacht! Ich umarme dich von Herz zu Herz!!! Alles alles Liebe und Gute für euch! Sylvia

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  2. Sarah Weise sagte:

    Aus tiefen Herzen danke für deine wundervollen Zeilen. Mein Bruder -♥ ist gerade gestorben und mein Herz so unendlich traurig. Es rüttelt die Schlafenden auf zu leben aber es sollte nicht erst soweit kommen. Ich konnte nichts mehr tun und ich trauer um diese Liebe ….

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  3. Karin Förster sagte:

    Ich habe das soeben gelesen und mir sind die Tränen über das Gesicht gelaufen. Habe mir auch so meine Gedanken schon gemacht. Alles was Sie liebe Silvia Radloff mit treffenden Worten gesagt haben stimmt.

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