Ich sah gestern einen Film…

Ein Indianer, ein großer Mann mit langen schwarzen Haaren saß im Schneidersitz auf der bloßen Erde hinter seinem Haus. Tief in sich versunken schaut er mit leicht zusammengekniffenen Augen in die Ferne… über die kahle Ebene auf die schneebedeckten Berge. Ein eiskalter Wind weht… doch er sitzt regungslos, aufrecht, stolz… in seinen Gedanken, seinem Geist weit weg… weiter, als die Berge. Sein Gesicht ist vollkommen bemalt… eine Maske, ernst, mystisch und wunderschön. Ein guter Freund, der vorbeigekommen war, nähert sich langsam von hinten und setzt sich leise neben ihn. Ohne zu fragen schaut er ihn von der Seite an. Der Indianer sagt… „Ich habe mein Todesgesicht aufgelegt…“ Ja, er hatte sich auf den Tod vorbereitet… Er wollte gehen.

Sie sprachen eine Weile, wenige Worte, nicht mehr, als es unter Freunden braucht, um das Wichtigste zu sagen… und doch viel mehr zu fühlen. Dann schwiegen sie, schauten gemeinsam in die Ferne… Alles besprochen. Plötzlich sagt der Indianer in die entstandene Stille hinein… „Ich möchte einfach noch ein wenig hier sitzen…“ Er sah seinem Freund tief in die Augen… „Lass uns einfach noch eine Weile zusammen sitzen…“ und mich durchfuhr eine Gänsehaut bei diesen Worten… denn wie oft hatte ich genau diese in Gesprächen mit den Tieren gehört, die sich auf den Abschied vorbereiteten… wenn es darum ging, wann?… Wann ist es Zeit, wann möchten sie gehen, wann sind sie bereit?

„Lass uns einfach noch eine Weile zusammen sitzen…“ und nein, dieser einfache Satz ist kein Zeitpunkt, es ist kein Tag, kein Plan… doch ich fühlte immer dieses große Gefühl dahinter… diese uralte Bedeutung, deren sich die Tiere noch bewusst sind… „Lass uns einfach noch ein wenig zusammen sitzen…“ ist viel mehr als das… Es sind genau die stillen Gespräche, die so wichtig sind, bevor sie gehen… dieses stille Verstehen, einander zu fühlen, für eine Zeit… um uns gemeinsam zu erinnern, gemeinsam in Gedanken zu reisen… des anderen Energie zu spüren… um sie zu erkennen, wenn sie uns später besuchen… um zu wissen, dass sie immer da sein werden, um tief in uns zu fühlen, dass unser Geist und unsere Seelen vereint sind… während wir in die Ferne schweifen – ins Land der Seelen – gemeinsam in die Unendlichkeit…

Es ist so groß, was da passiert… und es gibt keine Zeit… nur das Gefühl… das Vertrauen in den Weg, den sie uns zeigen, um ganz tief in unseren Herzen zu spüren, dass es GUT ist… Dann sind sie bereit.

(Sylvia Raßloff)

2 Kommentare
  1. Verena sagte:

    Diese Szene stammt aus Wind River, oder? Ein Gänsehautfilm! Ich habe geweint und geweint… und gerade vorhin noch einer Freundin von dem Film erzählt…

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