Ich weiß noch, wie es war, als wir keinen Hund mehr hatten. Damals, als unser altersschwacher Gefährte den Weg alles Irdischen gehen musste. Dorthin, zu den grünen Wiesen, hinter die Regenbogenbrücke, wohin wir ihn nicht begleiten konnten. Wir waren allein! Zum ersten Mal seit vielen Jahren. Verloren im Universum! Heulend saßen wir hier in dem nun so stillen Haus. Ausgestorben, leer, einsam. Das Schlimmste ist das Nachhausekommen! Überall bist du… und doch nicht mehr hier.

Das erste, was von meiner Mutter kam „Jetzt genießt erst mal das Leben! Gönnt euch was! Und holt euch nicht gleich wieder einen Hund!“ Sie meinte es gut, ganz klar, hatte sie doch die letzten Wochen und Monate gesehen, wie sehr uns seine Krankheit in Anspruch nahm. Keine Nacht, die wir mehr durchgeschlafen haben. „Fahrt mal in Urlaub! Das tut euch gut!“ Urlaub… Hä? Jetzt? Ich weiß nicht, wie lange ich nicht vor die Tür ging, weil ich dauernd heulen musste. Verschwollen, appetitlos, müde, traurig schleppte ich mich durch die Tage. „Gehen wir doch mal Spazieren! Die Sonne scheint so schön!“ Was? Ich? Spazieren? Die Sonne scheint? Wieso scheint eigentlich die Sonne? Wie kann sie lachen? Alles grünt und sprießt draußen… Es ist Frühling! Ich verkrieche mich, möchte, dass es regnet, dunkel und grau ist… So, wie ich mich fühle! Ich will nicht spazieren gehen! OHNE Hund! Bei jedem Schritt würde ich ihn sehen, bei jedem Hund, dem wir begegnen, wieder in Tränen ausbrechen. Niemals! „O.K. Dann in die Stadt! Shoppen. Irgendwas Schönes! Dann einen Kaffee trinken. Draußen sitzen. Leute beobachten! Das hast du doch immer gesagt, gefällt dir!“

Shoppen? Nein, ich brauche nichts. Will nichts! Will keine lachenden Leute sehen. Keine Hunde! Laufe rum, wie in Trance! Der Kaffee schmeckt fad! Alles ist fad. Wie durch Nebel schaue ich die Leute an… Ich höre, dass sie reden, verstehe kein Wort. Da ist nur er, immer wieder vor meinen Augen. Wäre er jetzt hier! Wir würden durch den Wald streifen, nur wir zwei, anstatt hier zu sitzen und Leute um mich zu haben, die mir nichts bedeuten… Alles hat irgendwie seinen Sinn verloren. Urlaub, Leben genießen… Was heißt eigentlich Leben genießen? Alles, was ich mir vornahm, mal zu machen, wenn ich keinen Hund habe, weil mit Hund schwierig, interessiert mich plötzlich nicht mehr! Ich kann mich nicht mehr freuen… Meine Augen füllen sich schon wieder mit Tränen… Verloren in diesen Gedanken und meinem Schmerz fasse ich an das Amulett mit deinem Bild, das ich um den Hals trage, damit du immer bei mir bist. Es ist ganz warm und ich spüre ein Ziehen in meinem Herzen. Ein Drängen, eine Sehnsucht… Wo ist das nächste Tierheim? Denn eines weiß ich jetzt: Ohne Hund ist ALLES doof!

© Sylvia Raßloff

3 Kommentare
  1. Heidelore Grundner sagte:

    Mir ist es ganz gleich gegangen. Meine Mutter, meine Freunde, alle haben zu mir gesagt, nimm dir keinen Hund mehr, denn du hast jetzt ja so fürchterlich unter seiner Krankheit und unter dem Abschied gelitten. Außerdem bist du viel freier,und kannst auch mehr auf Urlaub fahren.
    Ich habe nach Rockys Tod erst einmal einen Großteil der Sachen, die mich an ihn erinnert haben, in den Keller geräumt und das Futter und einige spezielle Dinge die nicht mehr so schön waren hergeschenkt. Es war so schrecklich in die leere Wohnung heimzukommen und nicht mit wedelten Schwanz und liebevollen Blick begrüßt zu werden, dass ich schon ein paar Tage nach seinem Tod im Internet nach einem armen Hund gesucht habe, dem ich ein Zuhause geben wollte.Ich wollte nur einen Hund aus dem Tierschutz haben, weil es da ja wirklich tausende gibt, die sehnsüchtig darauf warten eine Familie zu bekommen. Auch das Testament eines Hundes, das mir eine Freundin geschickt hat, hat mich wach gerüttelt. Ich habe mir ein Leben ohne Hund einfach nicht vorstellen können und 5 Wochen nach Rockys Tod habe ich Jeannie im Internet gefunden und gleich die Schutzgebühr für sie bezahlt. Da ich noch drei Tage in einem Hotel schon vorher gebucht hatte, wollte ich sie erst nachher heimholen, um sie nicht nach kurzer Zeit bei mir schon zu anderen Menschen zu geben. Es war Liebe auf den ersten Blick und wenn ich einen Tag später gekommen wäre, dann hätte ich sie wahrscheinlich nicht mehr vor gefunden. Es waren, obwohl sie schon 6 Wochen vorher aus Rumänien ins Tierheim gekommen war, bis jetzt keine Interessenten für sie da gewesen . Nach mir waren mehrere Leute da, die sie auch gerne gehabt hätten, aber da ich die Schutzgebühr schon bezahlt hatte, durfte ich sie zu mir nehmen. Sie ist meine beste Freundin geworden und ich habe es keinen Tag bereut, wieder einen Hund nach Rockys Tod, zu mir genommen zu haben.

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  2. marianne sagte:

    Genauso ist es mir ergangen. Ich dachte mir ich koennte auch keinen
    anderen Hund solieben wie meine Layla sie war meine beste Freundin..
    Dann kam Minja und es tut soo weh wenn sie uns verlassen. Dachte mir nie
    Wieder einen Hund und jetzt ist. Luna bei uns und wir lieben sie ueber
    alles.

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