Ich schreib ein Büchlein… für dich! Ganz klein nur, dacht ich anfangs, weil`s für die Hosentasche ist… Ein Büchlein für den Notfall… sollte mal was sein. Doch mit den Jahren wird es immer dicker, je länger du bei mir bist…  Alles „Über dich“ sozusagen… kommt da rein.

Was du erlebt hast, bevor du zu uns kamst und wer du bist. Was du dir wünschst und was du gerne isst… :-) Was du liebst und was dich ängstigt… was dein Herz zum Tanzen bringt. All deine kleinen Eigenheiten und unsere liebgewordenen Rituale stehen da drin. Und all deine lustigen Namen, welches Spielzeug du magst… und dass Banane für dich das Höchste ist. Dass wir sie immer teilen und du die Joghurtbecher ausschlecken darfst. Dass du es liebst, nachts zugedeckt zu werden… wenn du ganz kuschlig eingemummelt bist. Dass du manchmal noch träumst von früher und dich manchmal noch erschreckst. Dass du ganz viel Sicherheit brauchst und dich manchmal hinter mir versteckst. Dass es eine Stelle hinter dem Ohr gibt, wo du wohlig brummst. Und dass das dann nicht gefährlich ist, auch wenn es so klingt. Dass es ein Kommando „Steh“ gibt, das hundertprozentig funktioniert und „Nicht so weit weg!“, damit man dich nicht aus den Augen verliert. Dass du Pferde magst und manche Rüden auch. Dass du gern ins Wasser gehst, aber nur bis zum Bauch. Dass du reden kannst und zwar ganz viel und dass man es verstehen kann, wenn man will.

All das schreibe ich in das Büchlein und noch viel mehr. Alles, was ich mir wünschte, dass jemand weiß… dass ich dich liebe und dass du mir sehr wichtig bist… wenn irgendwann mal alles anders wär. Wenn mal etwas ist… ist für dich gesorgt… doch vielleicht hält es auch jemand Fremdes in der Hand… Wie in der Geschichte von Norbert, dem Hund, dessen Frauchen bei der Tsunami-Katastrophe in Thailand verschwand. Durch unglückliche Umstände war Norbert im Tierheim gelandet, sollte sogar eingeschläfert werden, als sein Herrchen das Büchlein vor seinem Zwinger fand. Es fiel der Tierheim-Mitarbeiterin aus der Tasche und Norbert durfte leben… und irgendwann… fing sein Herrchen an, sich auf die Suche zu begeben… nach dieser Frau, die einmal diese Zeilen schrieb… für einen Hund, den sie so sehr liebt.

“Nenn mich Norbert” Andrea Reichart

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Ich weiß, wenn du könntest, du würdest auch ein Buch schreiben… über mich… für die, die nach dir kommen… denn du kannst nicht für immer bei mir bleiben… Es wäre voller Liebe, voller Dinge, wie ich so bin… aus deiner Sicht. Und wenn ich es lesen würde, müsste ich ganz viel weinen… und auch ganz viel lachen, über meine Eigenheiten und all die Sachen, die wir Menschen so machen.

© Sylvia Raßloff

Nenn mich Norbert

Eine Flut von schrecklichen Bildern und Hilferufen aus allen Teilen der Welt landen täglich via Facebook in unseren Wohnzimmern, prallen auf unsere Augen, hinter denen sich Tränen mit Macht ihren Weg bahnen wollen… schnell wegklicken, teilen, immer in der Hoffnung, dass am Ende des „Teilens“ jemand ist, der hilft… Doch, auch wenn wir schon längst wieder zum Alltag übergegangen sind, wirken die Bilder in unserem Inneren weiter, jede Stunde, jeden Tag. Mit jedem Bild, jeder Meldung, beeinflussen sie uns, besetzen unsere Psyche, blockieren unsere Lebenskraft… und bewirken schlimmstenfalls – aber als dringend notwendigen Selbstschutz – eine Desensibilisierung.

Überall Leid, überall wird Hilfe gebraucht… Wir können nicht allen helfen! Wo sollen wir anfangen? Wo ist die Not am größten? Alle brauchen Unterstützung und weil unsere Möglichkeiten begrenzt sind, erstarren wir im Nichtstun, in einer Hoffnungslosigkeit… die uns krank macht! … Der einzige Ausweg aus dieser Starre ist, ETWAS zu tun, etwas Kleines nur, so, wie es in meinen persönlichen Möglichkeiten steht. Es ist wichtig, nicht das große Elend als unbezwingbaren Berg vor uns zu sehen, sondern uns das Projekt unseres Herzens zu suchen… „Mein persönliches Herzensprojekt“, das ich unterstütze… meinen Patenhund, meine Futterspende, meine Deckenspendenaktion für den Winter, meinen Gassi-Hund im Tierheim um die Ecke… Es gibt so viele Möglichkeiten!

Es geht nicht immer darum, ein Tier zu adoptieren und nicht jeder hat die Möglichkeit dazu… Es geht darum, die Situation der Tiere vor Ort zu verbessern, ein klein wenig zu helfen… Irgendetwas zu tun… für die, die es so dringend brauchen! Die Tierschützer sind so dankbar für jede noch so kleine Hilfe, aber auch die seelische und moralische Unterstützung ist so wichtig. Das alles ist besser als Nichtstun. Es hilft nicht nur den Tieren… Es trägt dazu bei, unsere Seelen wieder zu heilen,… weil wir endlich etwas tun können und unseren Beitrag leisten, etwas zu verändern, denn… wenn viele Menschen etwas Kleines tun, können wir Großes bewirken!

© Sylvia Raßloff

Vielleicht sollten wir viel öfter einfach das tun, was uns glücklich macht, und nicht das, was andere von uns erwarten. Vielleicht sollten wir wieder den Mut haben, so zu sein, wie wir sind und niemandem, uns selbst eingeschlossen, etwas vorzumachen… Vielleicht sollten wir uns wieder an unser Inneres Kind erinnern, wieder frech und wild und wunderbar sein… wieder staunen, lachen und uns richtig freuen können … wieder verzaubert sein, über einen winzigen Augenblick … die Wunder der Natur und die Schönheit aller fühlenden Wesen sehen. Vielleicht sollten wir nicht mehr so Vieles einfach hinnehmen und uns gegen Ungerechtigkeit auflehnen … Mehr Gefühle zulassen, um uns einfach wieder spüren zu können und uns berühren zu lassen … Vielleicht sollten wir öfter ein bisschen mehr geben, statt zu nehmen … öfter etwas netter sein, als unbedingt notwendig … Und vielleicht sollten wir uns vornehmen, einfach niemals aufzugeben, wenn es um unsere Ziele und Wünsche geht, denn solange wir noch Träume haben… spüren wir, dass wir leben!

© Sylvia Raßloff

Der Hundetraum… (und Traum aller Tiere, die irgendwo auf ein Zuhause warten…)

Es gibt einen besonderen Traum, den alle Tierheim-Hunde träumen… Auf Betonböden, in Hütten, in dunklen Verschlägen, eingepfercht in Gitterboxen… träumen sie Nacht für Nacht den gleichen Traum…

Egal, in welcher Sprache und wo auf dieser Welt… Es ist der schönste Traum, den diese Hunde haben… der Traum von einem Zuhause. Der Traum von einer Familie. Dieser Traum verbreitet sich seit Hundegedenken von Heim zu Heim, von Hund zu Hund, sogar draußen auf der Straße wird er weitergegeben…

Er wird den Neuankömmlingen erzählt, die in der Nacht noch weinen. Und mit jedem Hund, der ihn weitererzählt wird er schöner und bunter. Jeder träumt noch etwas hinzu. Alles ist warm und weich in diesem Traum. Und es gibt immer genug zu essen. Und die Menschen haben Hände – so zart…

„So etwas gibt es doch nicht!?“, sagen die, die noch nie ein Zuhause hatten… „Doch!“ sagen alle einstimmig und etwas zu laut… Die, die schon Schlimmes erlebt haben, schweigen. Sie wollen diesen Traum nicht zerstören…

Besonders für die Kleinsten, die mit großen Augen zuhören und die ihn wieder und wieder hören wollen, bevor sie einschlafen. Und für die, denen der Tod bevorsteht und für die anderen, die schon so viele Jahre warten und deren Augen müde geworden sind…

Gerade für sie ist es so wichtig, aber auch für alle anderen, dass dieser herrliche Traum niemals ausgeträumt ist, dass dieser kleine Hoffnungsschimmer für immer bleibt und jede Nacht wieder in ihren Herzen glimmt …

dass es irgendwo auf der Welt genau den Menschen gibt, der auf jeden von ihnen wartet.

© Sylvia Raßloff

Immer wieder taucht die Diskussion über Hunde aus dem Tierschutz im Ausland auf – Sind Auslandshunde Problemhunde?

Hunde aus dem Tierschutz, die aus dem Ausland zu uns kommen sind keine Problemhunde, sie sind Hunde mit Vergangenheit! Viele dieser Hunde haben überhaupt keine Probleme damit, sich in ihre neuen Familien und in unseren Alltag zu integrieren. Es ist erstaunlich, wie schnell sie alles Neue als gegeben hinnehmen, mit dem nun neuen Leben zurechtkommen, als wären sie nie woanders gewesen.

Aber es gibt auch die, die viel Schlechtes erlebt und gesehen haben, die die negativen Erfahrungen und Erlebnisse nicht so schnell vergessen können und ihr Päckchen aus der Vergangenheit mit nach Deutschland bringen. Manchmal haben sie einfach noch nichts kennengelernt, da sie die meiste Zeit ihres Lebens im Tierheim verbracht haben. Viele von ihnen haben schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. Andere haben auf der Straße gelebt und mussten täglich um ihr Überleben kämpfen… Jeder dieser Hunde hat seine eigene Geschichte.

Wenn wir diese Hunde als „Problemhunde“ bezeichnen… Wie viele Menschen wären dann ebenfalls „Problemmenschen“? Wie viele Menschen gibt es, die aufgrund ihres bisherigen Lebens, misstrauisch, ängstlich, zurückhaltend oder depressiv sind? Die sich nicht wohlfühlen in unbekannten Situationen oder die bei Menschenmassen Panik bekommen? Erfahrungen und Erlebnisse prägen uns genauso, wie die Tiere!

Manche Menschen erwarten, dass ihr Hund ab dem ersten Tag bei ihnen „funktioniert“ – allerhöchstens 1 – 2 Wochen Eingewöhnungszeit gestehen sie ihm zu! „Aber dann müsste er doch wissen, wie das hier läuft, hatte genug Zeit, alles kennenzulernen!“ Ein entscheidender Unterschied zu uns Menschen ist – Tiere sehen die Welt anders als wir! An einem Baum sehen sie z.B. jedes einzelne Blatt, was für uns Menschen „nur ein Baum“ ist. Sie registrieren jede Kleinigkeit, verallgemeinern nicht und sie ziehen auch keine logischen Schlussfolgerungen.

Jedes flatternde Papier, ein Mann mit Hut, Licht und Schatten, Geräusche aus der Nachbarwohnung… all das und so vieles mehr, was für uns selbstverständlich ist, kann die Aufmerksamkeit unseres neuen Familienmitglieds wecken und alte Ängste auslösen. Woher soll der Hund wissen, dass er heute Dingen vertrauen kann, vor denen zu flüchten in seinem bisherigen Leben überlebenswichtig war? Es gibt Hunde, die haben Angst, in der Dämmerung rauszugehen, Hunde, die schon unsicher werden, wenn sie ein Mensch direkt anschaut. Es gibt Hunde, die sich nach ihrer Ankunft hier nicht trauen, ihr Geschäft zu machen und wenn es nicht anders geht, ihre Hinterlassenschaften selber auffressen… am liebsten unsichtbar wären!

Wer nur ein wenig Einfühlungsvermögen hat, kann sich vorstellen, was diese armen Seelen erlebt haben… Es gab Menschen, die haben mich doch tatsächlich gefragt, warum der Hund in der Ecke der Wohnung hockt und die Zähne zeigt, nur weil die Kinder mit dem Bobbycar an ihm vorbei fahren… Man muss sich nur vorstellen, wie der Hund sich fühlt, der vielleicht das erste Mal in einer Wohnung im dritten Stock „eingesperrt“ ist, ohne sich dem, das ihm so viel Angst macht, dem Stress und der Lautstärke, entziehen zu können… mit dem Rücken an der Wand!

Es gibt sie, diese Geschichten, wo „es mit dem Auslandshund nicht geklappt hat“ … aber es gibt auch die anderen! Die von den besonderen Menschen, die sensibel genug sind und sich Zeit nehmen, „zuzuhören“ und zu spüren, wie es dem Hund in verschiedenen Situationen geht – sich die Zeit nehmen, seine Vergangenheit zu erkunden.

Die Menschen, die dem Hund die Zeit lassen, die er braucht, um Schritt für Schritt in seinem neuen Leben anzukommen. Genau die Menschen wissen, wie lange es gedauert hat, bis der Hund endlich DA war! Sie wissen, wovon ich rede und dass es das tausendmal WERT war und sie es niemals bereut haben, den „Weg zum Vertrauens“ mit ihrem „Problemhund“ gegangen zu sein und dabei wahrscheinlich viel über sich selbst gelernt haben.

© Sylvia Raßloff